Wo Frieden beginnt
Manchmal verändert sich das Leben nicht laut.
Weder mit einem großen Knall. Noch mit der einen großen Entscheidung.
Manchmal verändert es sich ganz leise.
Zwischen Matcha-Eiswürfeln mit Minze.
Zwischen einem gemütlichen Grillabend auf dem bayrischen Land.
Und einem Spaceship-Kleid, das langsam Form annimmt.
Und plötzlich merkt man:
Oh!
Ich bin angekommen.
Nicht irgendwo. Sondern bei mir.
In den letzten Tagen habe ich verstanden, dass Frieden vielleicht viel einfacher ist, als wir denken.
Ich stelle mir Frieden jetzt so vor:
ein langer Holztisch, an dem die unterschiedlichsten Menschen zusammensitzen.
Menschen aller Altersstufen in verschiedenen Lebensphasen.
Mit Sehnsüchten.
Mit Eigenheiten.
Und ganz unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben.
Und niemand muss gewinnen.
Niemand muss sich profilieren.
Niemand muss jemanden klein machen.
Alle sitzen einfach da.
Gemütlich.
Menschlich.
Verschieden.
Vielleicht ist das Frieden.
Nicht, dass wir alle gleich werden.
Sondern, dass wir aufhören, die Andersartigkeit anderer Menschen als Bedrohung zu empfinden.
Denn ich glaube, dass wir alle im Herzen ein bisschen weird sind.
Nicht die Art von Weirdness, die gerne gesehen werden möchte. Sondern die echte Eigenheit.
Das erkennt man an den Dingen, die wir tun, wenn niemand zuschaut.
Pilze sammeln.
Wolken fotografieren.
Russisch lernen, weil sich die Sprache schön anfühlt.
Spaceships aus Pappe bauen wollen.
Oder bei Sonnenschein an einem Ort sitzen, an dem sich alle möglichen Menschen treffen:
Hippies und Normalos.
Künstlerinnen und Büroangestellte.
Verlorene und Suchende.
Um dann festzustellen: Ich passe hier nicht mehr hin. Und das ist okay.
Vielleicht bedeutet Erwachsenwerden manchmal, friedlich Abschied zu nehmen, ohne bitter zu werden.
Ich habe in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht, was Menschen eigentlich verbindet.
Und ich glaube: nicht Identitäten. Nicht Labels. Nicht Rollen.
Sondern Menschlichkeit.
Bewusstsein kann heilend sein.
Sprache kann heilend sein. Es ist wichtig, Dinge benennen zu können.
Aber sobald Identität wichtiger wird als Menschlichkeit, geht etwas Wesentliches verloren.
Wenn daraus Brücken entstehen, ist das meine Welt.
Wenn daraus Mauern entstehen, nicht.
Vielleicht brauchen wir weniger Menschen, die uns retten wollen.
Und mehr Menschen, die beginnen, ihr eigenes Leben wirklich zu bewohnen.
Menschen, die wieder lernen
zu genießen,
zu ruhen,
zu fühlen,
zu lachen,
zu tanzen,
zu lieben,
zu weinen,
zu träumen.
Menschen, die sich selbst nicht mehr dauernd verlassen.
Vielleicht beginnt Frieden viel kleiner, als wir denken.
Und zwar dort, wo wir uns nicht mehr beweisen müssen.
Früher dachte ich, mein Stillsein sei ein Fehler.
Dass ich mehr reden müsste.
Mehr performen.
Mehr erklären.
Mehr dazugehören.
Heute weiß ich: mein Wesen ist still.
Beobachtend.
Wahrnehmend.
Langsam.
Und genau darin liegt meine Stärke.
Daher ist genau das die Welt, die ich mit meinen Räumen miterschaffen möchte.
Eine Welt, in der Menschen sich nicht erst optimieren müssen, um dazugehören zu dürfen.
Eine Welt, in der Menschen wieder weicher werden dürfen.
Schrulliger.
Lebendiger.
Menschlicher.
Für mich ist das die eigentliche Revolution: nicht härter zu werden, sondern menschlicher.
Vielleicht suchen wir am Ende einfach das Gefühl, dass wir mit unserer ganzen seltsamen, lebendigen, widersprüchlichen Menschlichkeit
einfach da sein dürfen.