Was wir von einer Stadt in der Wüste lernen können
2006 fuhr ich alleine zum Burning Man Festival in die Wüste Nevadas.
Damals wusste ich noch nicht, wie sehr mich diese Erfahrung prägen würde.
Ich wusste nur: Ich musste dorthin.
Also saß ich plötzlich mit fünf fremden Menschen in einem Wohnmobil Richtung Wüste,
Mit selbstgebastelten Kostümen, viel zu viel Gepäck und ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet.
Als wir ankamen, begrüßten mich staubige, leuchtende Menschen mit den Worten:
„Welcome home.“
Und genau so fühlte es sich an.
Weil dort plötzlich etwas möglich wurde, das ich aus dem Alltag kaum kannte:
Menschen durften sichtbar sein.
Kreativ.
Seltsam.
Frei.
Weich.
Laut.
Verspielt.
Verletzlich.
Niemand musste sich erst beweisen, um dazuzugehören.
Es wurde getanzt,
gebaut,
geteilt,
musiziert,
verschenkt,
gelacht,
geweint
und mitten in der Wüste eine ganze Stadt erschaffen.
Eine Stadt, die nicht auf Konsum, sondern auf Beteiligung beruhte.
Und obwohl dort zehntausende Menschen zusammenkamen, fühlte sich vieles menschlicher an als in der „normalen“ Welt.
Vielleicht, weil sich so viele Menschen erlaubt haben, wirklich da zu sein.
Nicht nur als Rolle. Sondern einfach als Mensch.
Ich glaube, diese Erfahrung hat mich bis heute geprägt.
Die Idee, dass Räume entstehen können, in denen Menschen sich nicht erst anpassen müssen, um willkommen zu sein.
Räume, in denen Ausdruck, Verbindung, Humor, Kreativität und Menschlichkeit nebeneinander existieren dürfen.
Vielleicht suchen wir genau danach.
Nicht nach Perfektion.
Sondern nach Orten, an denen wir uns wieder lebendig fühlen.