Wo du dich nicht selbst halten musst

Liebe Mitreisenden,

Manche Verbindungen fühlen sich an, als müsste man sich ständig zusammenhalten. Die richtige Version von sich zeigen. Aufpassen. Mitdenken. Spüren, was gebraucht wird. Nicht zu viel sein. Nicht zu emotional. Nicht zu ehrlich. Nicht zu lebendig.

Und irgendwann merkt der Körper: Ich bin zwar verbunden — aber nicht wirklich gehalten.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Man funktioniert. Man passt sich an. Man trägt.

Und gleichzeitig wird etwas in einem immer müder.

Früher dachte ich, Liebe bedeutet, möglichst viel auszuhalten. Heute fühlt sie sich anders an. Ruhiger. Wärmer. Ehrlicher. Mehr wie ein Raum, in dem mein Nervensystem nicht permanent arbeiten muss.

Vielleicht ist das echte Nähe: nicht jemanden festzuhalten — sondern genug Sicherheit zu schaffen, damit niemand sich verstecken muss.

Ich glaube, viele von uns haben gelernt, Verbindung mit Anstrengung zu verwechseln. Mit Überfunktion. Mit emotionaler Verantwortung. Mit Wachsamkeit.

Doch der Körper kennt den Unterschied. Er weiß, wann etwas eng macht. Und er weiß auch, wann wieder Raum entsteht — für Atmung, Ehrlichkeit, Weichheit, Humor, das eigene Tempo.

Vielleicht beginnt Heilung manchmal nicht damit, noch mehr an sich zu arbeiten. Sondern damit, nicht mehr gegen den eigenen Körper zu leben.

Ich merke immer mehr: Die schönsten Verbindungen sind nicht die lautesten. Sondern die, in denen man langsam wieder mehr man selbst wird. Ohne Performance. Ohne Rolle. Ohne ständiges Halten.

Vielleicht brauchen wir nicht mehr Beziehungen. Vielleicht brauchen wir Beziehungen, in denen unser Nervensystem sich erinnert, wie Sicherheit sich anfühlt.

Mit Liebe und in stiller Verbindung,
Jeannette

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