Bring mir deine Welt
Liebe Crew,
früher dachte ich, Freundschaft bedeutet vor allem, viel Zeit miteinander zu verbringen. Kaffee trinken. Spazieren gehen. Sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten.
Das alles ist schön. Heute merke ich, dass ich nach etwas anderem suche. Nicht nach mehr Zeit. Sondern nach mehr Welten.
Vor vielen Jahren lernte ich eine spanische Freundin kennen. Erst lebte sie in München. Später zog sie zurück nach Barcelona. Irgendwann lud sie mich und eine Freundin zum Sónar Festival ein und wir besuchten sie dort öfter.
Sie lud uns nicht nur aufs Festival ein. Sondern in ihr Leben.
Wir lernten ihre engsten Freund*innen kennen. Menschen aus ganz Spanien. Wir sprachen nicht perfekt Spanisch und waren etwas schüchterner als der Rest. Und trotzdem war das nie ein Thema. Wir gehörten einfach dazu.
Sie hatte uns nicht nur eingeladen. Sie hat uns ihre Welt geöffnet.
In den letzten Tagen wurde mir klar, dass ich genau das in Freundschaften suche. Nicht Menschen, die in meiner Welt aufgehen. Nicht Menschen, die mir bei allem zustimmen.
Sondern Menschen mit einer eigenen Welt. Einer eigenen Sprache. Einer eigenen Leidenschaft. Einer eigenen Crew.
Vielleicht ist das der Grund, warum mein Liebster schon immer Teil meiner Crew war. Nicht, weil er genauso ist wie ich. Sondern weil er etwas mitbringt, das ich nicht habe.
Er sammelt die schönsten Kochbücher dieser Welt. Und kocht daraus Gerichte, von denen ich vorher noch nie gehört habe. Er legt Musik auf. Und pflegt seine Plattensammlung. Er hat sogar eine Plattenwaschmaschine. Und heimlich träumt er von einer kleinen Bar, die nur an ganz bestimmten Tagen öffnet. Genau wie das Spaceship.
Vielleicht ist das überhaupt die schönste Form von Gastfreundschaft. Nicht jemanden zu sich einzuladen. Sondern zu sagen: „Komm. Ich zeige dir meine Welt." Und danach zu fragen: „Und jetzt erzählst du mir von deiner."
Deshalb träume ich von einer Welt voller Menschen, die den Mut haben, ihre eigene Welt zu kultivieren. Und die Türen zu öffnen.
Nicht, damit alle darin wohnen. Sondern damit wir einander besuchen können.
Ich glaube, genau dort beginnt für mich Gemeinschaft. Nicht in der Verschmelzung. Sondern in echter Begegnung.
Mit Liebe und einem kleinen Düsenantrieb,
Jeannette