Mitreisende
Liebe Crew,
ich habe eine kleine Angewohnheit. Immer wenn ich in einem Zug, Bus oder Flugzeug sitze, schaue ich mich irgendwann um und denke: Mit wem wäre ich wohl befreundet, wenn wir jetzt plötzlich ein paar Stunden länger gemeinsam unterwegs wären?
Nicht, weil ich unbedingt ein Gespräch anfangen möchte. Sondern weil mich dieser Gedanke glücklich macht. Dass wir alle gerade zufällig dieselbe Richtung teilen.
Manche lesen. Manche schlafen. Manche schauen aus dem Fenster. Manche freuen sich auf jemanden.
Und für einen kleinen Moment sind wir alle Teil derselben Reise.
Ich glaube, deshalb mochte ich schon immer Partys. Nicht nur wegen der Party. Sondern wegen dieses wundersamen Augenblicks, in dem aus vielen einzelnen Menschen langsam eine Gemeinschaft entsteht.
Wenn plötzlich jemand lacht. Jemand anderes setzt sich dazu. Und auf einmal entsteht ein Gespräch, das vorher niemand geplant hatte.
Vielleicht ist das überhaupt meine liebste Form von Magie. Nicht Menschen zu verändern. Sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen Begegnung leicht wird.
Ein schöner Raum. Ein Duft. Ein Lagerfeuer. Eine Geschichte. Ein Kreis.
Und dann geschieht der Rest ganz von allein.
Ich sehe Menschen nicht als Publikum. Nicht als Zielgruppe. Nicht einmal zuerst als Fremde.
Ich sehe uns als Crew.
Menschen, die für eine Weile denselben Weg teilen. Manche steigen früher aus. Manche später. Mit manchen wechseln wir kaum ein Wort. Mit anderen entsteht ein Gespräch, das wir Jahre später noch in uns tragen.
Und manchmal genügt schon das stille Wissen: Schön, dass wir dieses Stück gemeinsam unterwegs waren.
Vielleicht brauchen wir gar nicht so viele Orte, an denen wir eine bestimmte Rolle einnehmen müssen. Vielleicht brauchen wir mehr Orte, an denen wir einfach für einen Moment verweilen dürfen.
Wie an Bord eines kleinen Raumschiffs. Wo jemand lächelt und sagt: „Schön, dass du da bist. Hier ist noch Platz für dich."
Mit Liebe und freien Plätzen an Bord,
Jeannette