Das sieht aber hübsch aus
Liebe Crew,
vielleicht kennst du das auch.
Du organisierst. Du kochst. Du gestaltest. Du planst. Du verbindest. Du denkst mit. Du schaffst Atmosphäre.
Und am Ende heißt es: „Das Essen war lecker."
„Das sah hübsch aus."
„War nett."
Natürlich freust du dich darüber. Und gleichzeitig beschreibt es oft nur den kleinsten Teil dessen, was wirklich entstanden ist.
Mir fiel das zum ersten Mal in einem früheren Job auf. Jemand beschrieb meine Arbeit mit dem Satz: „Jeannette makes things look nice."
Damals nahm ich das als Kompliment. Heute muss ich darüber lachen. Nicht, weil der Satz böse gemeint war. Sondern weil er so unglaublich klein ist.
Denn nein, ich habe Dinge nicht einfach hübsch gemacht. Ich habe Atmosphäre geschaffen. Ich habe Menschen miteinander verbunden. Ich habe Räume gestaltet, in denen Zusammenarbeit leichter wurde. Ich habe vorausgedacht. Ich habe gesehen, was fehlte.
Das alles verschwindet in einem Satz: „She makes things look nice."
Mir fällt auf, dass viele Tätigkeiten keine richtige Sprache haben. Vor allem dann, wenn sie nicht laut sind. Nicht messbar. Nicht spektakulär.
Wenn jemand ein Unternehmen gründet, sagen wir: Visionär. Innovator. Gründer.
Wenn jemand über Jahre dafür sorgt, dass Menschen gerne zusammenkommen. Dass Geburtstage unvergesslich werden. Dass Teams sich wohlfühlen. Dass Gespräche entstehen. Dass jemand an alles gedacht hat.
Dann sagen wir: „Wie nett." Oder: „Du bist aber organisiert."
Ich glaube, wir unterschätzen eine ganze Form von Kreativität. Die Kreativität, die keine Produkte erschafft, sondern Bedingungen.
Bedingungen, unter denen ein gutes Gespräch entstehen kann. Ein Gefühl von Sicherheit. Ein Abend, an den sich alle erinnern. Ein Raum, in dem jemand zum ersten Mal weint. Oder tanzt. Oder tief durchatmet. Oder neue Freundschaften geknüpft werden.
Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Leben. Vielleicht baust du Gärten. Schreibst Karten. Kochst für deine (gewählte) Familie. Sorgst im Hintergrund dafür, dass alles funktioniert. Bringst Menschen zusammen, ohne dass es jemand bemerkt. Fragst: „Wie geht es dir wirklich?"
All das ist schöpferische Arbeit. Auch wenn sie in keiner Stellenbeschreibung steht.
Vielleicht brauchen wir keine neue Wertschätzung. Vielleicht brauchen wir zuerst eine neue Sprache.
Denn wie nennt man jemanden, der Welten bewohnbar macht? Jemanden, der dafür sorgt, dass Menschen sich entspannen. Dass Ideen auftauchen. Dass aus Einzelnen eine Gemeinschaft wird.
Erst wenn wir etwas benennen können, beginnen wir zu sehen, was schon die ganze Zeit da war.
Unsere Welt wird nicht nur von den Menschen gestaltet, die Gebäude entwerfen oder Unternehmen gründen. Sie wird genauso von den Menschen getragen, die jeden Tag Bedingungen schaffen, unter denen Leben und Verbindung erst möglich werden.
Sie machen die Welt nicht einfach hübscher. Sie machen sie bewohnbarer.
Mit Liebe und großer Wertschätzung für alle, die diese Welt bewohnbarer machen,
Jeannette