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Liebe Crew,

gestern Mittag war ich auf dem Weg zu meinem Lieblingsbaum. Ich wollte dort ruhen. Ein bisschen malen. Musik arrangieren. Tanzen. Einfach gemütlich Pause machen.

Auf dem Weg dorthin sah ich einen Mann. Er lag im Schatten eines Baumes, neben ihm ein Laptop. Er umarmte sich selbst.

Möglicherweise lief auf dem Bildschirm irgendeine Anleitung. Ich weiß es nicht.

Aber ich blieb innerlich stehen. Nicht, weil es spektakulär war, sondern weil es so still war.

Und weil ich dachte: Das sind die Nachrichten, die ich lesen möchte.

Nicht nur die Geschichten von Männern, die verletzen. Nicht nur die Geschichten von Männern, die laut sind.

Sondern auch die anderen. Die viel zu selten erzählt werden.

Von Männern, die sich in ihrer Mittagspause unter einen Baum legen und sich selbst halten.

Von Männern, die mit ihren Kindern auf den Schultern auf dem Gärtnerplatz zu House-Musik tanzen.

Von Männern, die mit Liebe kochen.

Von Männern, die stehen bleiben, weil eine riesige Heuschrecke auf dem Weg sitzt.

Von Männern, die alberne Lieder singen und dabei Tränen lachen.

Von Männern, die zwanzig Minuten auf ihren Freund warten und sagen: „Dann wartet man eben."

Da fällt mir ein: Ich liebe es, Männer in meinen Räumen zu begrüßen. Nicht, weil sie Männer sind, sondern weil sie Menschen sind. Und weil ich jedes Mal merke, wie gut uns Räume tun, in denen wir nichts darstellen müssen.

Mein persönliches Highlight war eine Yogastunde, die von zwei befreundeten jungen Männern gemeinsam besucht wurde. Es war ihre erste Berührung mit Yoga. Am Ende gab ich verschiedene Möglichkeiten: ruhen, Schulterbrücke oder vollständig ins Rad gehen. Ich sagte nur: „Lasst euren Körper entscheiden."

Um die beiden herum gingen einige Frauen ins Rad – eine anspruchsvolle Haltung, die ich nicht beherrsche. Andere blieben bei der Schulterbrücke. Die beiden jungen Männer ruhten einfach. Ganz selbstverständlich. Ohne sich zu vergleichen. Ohne zu denken, sie müssten mithalten.

Ich stand vorne im Raum und dachte: Genau so fühlt sich Freiheit an. Alle hören auf ihren Körper.

Vielleicht ist genau das meine Vision. Nicht von Männlichkeit oder Weiblichkeit, sondern von Menschlichkeit.

Nicht möglichst stark oder spirituell zu wirken, sondern authentisch.

Ich wünsche mir mehr Geschichten über Menschen. Menschen, die sich versorgen. Die sich entschuldigen. Die kochen. Die weinen. Die tanzen. Die neugierig bleiben. Die sich unter einen Baum legen und sich mitten in der Mittagspause selbst eine Umarmung schenken.

Vielleicht verändert sich unsere Welt auch dadurch, welche Geschichten wir weitererzählen.

Mit Liebe und offenen Augen,
Jeannette

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