Eine gemeinsame Sprache
Liebe Mitreisenden,
gestern waren wir bei meinen Eltern. Es gab selbstgezogenes Gemüse. Eine Weinprobe. Erdbeerbowle. Gespräche über künstliche Intelligenz, Kirche, Zukunft und Innovation.
Ich hörte zu. Versuchte mich einzubringen. Und merkte irgendwann, dass ich gar nichts beweisen musste.
Heute Morgen dachte ich: Es ist schön, dort gewesen zu sein. Und es ist genauso schön, wieder zuhause zu sein.
*
Früher glaubte ich oft, eine gute Beziehung bedeute, möglichst gleich zu sein. Heute glaube ich etwas anderes.
Eine gute Beziehung bedeutet nicht, dieselbe Sprache zu sprechen. Sondern bereit zu sein, die Sprache des anderen zu lernen.
Mein Liebster und ich sind in vielem sehr verschieden. Wenn ich eine Vision habe, sieht er oft zuerst den Treibstoff. Wenn ich losrennen möchte, plant er die Route. Wenn ich erschöpft bin, erinnert er mich daran, den Sonnenuntergang nicht zu verpassen. Wenn er im Geröll unsicher wird, bekommt er meinen Wanderstock.
Keiner von uns ist immer stark. Keiner von uns hat immer recht.
Aber wir sind ein gutes Team. Nicht weil wir gleich geworden wären. Sondern weil wir einander immer besser verstehen.
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Vielleicht gilt das nicht nur für Beziehungen. Sondern auch für das Leben.
In den letzten Monaten hatte ich manchmal das Gefühl, niemand würde verstehen, was ich da eigentlich erschaffe.
Dann merke ich: Vielleicht geht es gar nicht darum, dass alle alles sofort verstehen. Vielleicht geht es darum, dass die richtigen Menschen nach und nach beginnen, dieselbe Sprache zu sprechen.
Nicht meine Worte. Sondern dieselbe Erfahrung. Die Sprache von tiefer Ruhe. Von Lebendigkeit. Von Weite. Von einem Körper, der langsam wieder zu einem Zuhause wird.
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Eine Freundin von mir hatte sich schon länger nicht mehr gemeldet. Sie war einfach in der Sommerhitze und im täglichen Trubel verschwunden.
Doch dann sah ich plötzlich eine Antwort auf eine Story von mir: „Juchuuuuuuuh, ich habe mich zu deiner Stunde angemeldet. Und bei der anderen Stunde scheint etwas mit der Buchung nicht zu funktionieren."
Ganz selbstverständlich.
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Als mein Liebster gestern allein zum Weiher fuhr, um nachzudenken und Raum für sich zu haben inmitten der stickigen Sommerhitze, wurde mir klar: Wir sprechen längst dieselbe Sprache.
Eigentlich wollte ich nachkommen. Doch dann musste ich ruhen und räuchern und war plötzlich wieder in meiner eigenen Zeitzone.
Mein Liebster verstand das früher als ich und schlug vor: „Wir treffen uns einfach direkt bei deinen Eltern." Schon bevor mir klar war, dass es keinen Sinn machte, vorher zu ihm zu stoßen.
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Und dann machte meine Mutter die Tür auf und wir mussten beide lachen: Jede von uns hatte ein blaues Sommerkleid an, im selben Farbton, mit Mary Janes. Als ob wir uns abgesprochen hätten.
Unsere Körper sprachen an dem Abend auch dieselbe Sprache.
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Vielleicht ist das das Schönste am Älterwerden. Ich verbringe immer weniger Zeit damit, alle überzeugen zu wollen. Und immer mehr Zeit mit Menschen und Orten, bei denen Resonanz ganz von selbst entsteht.
Mit Liebe und auf der Suche nach den richtigen Worten,
Jeannette