Nichts passiert
Kennst du das auch? Dieses Gefühl: Heute ist eigentlich gar nichts passiert. Ich sollte doch mehr tun.
So ging es mir gestern. Ich dachte: Naja, ich habe ein bisschen geschrieben. Ein Reel veröffentlicht. Ein paar Blumen gebunden. War in der Isar. Habe zwei Stunden vorbereitet. Und musste mich sehr viel ausruhen.
Nicht gerade die Sorte Tag, über die man später Bücher schreibt. Oder?
Dann fiel mir plötzlich etwas auf.
Vor einem Jahr hätte es all das noch gar nicht gegeben. Keine Love Letters. Kein Spaceship. Keine Räume, die langsam ihre eigene Persönlichkeit entwickeln. Keine Menschen, die mir schreiben, dass sie nächste Woche wiederkommen.
Damals hätte ich von einem solchen Tag wahrscheinlich geträumt. Heute halte ich ihn für selbstverständlich.
Vielleicht ist das das Verrückte an Wachstum. Es fällt uns kaum auf. Nicht, weil nichts passiert. Sondern weil das Außergewöhnliche irgendwann zum Alltag wird.
Wie Fahrradfahren. Irgendwann denkt niemand mehr: „Wow, ich kann Fahrrad fahren." Man fährt einfach los.
Oder wie ein Baum, der unter der Rinde längst neue Ringe bildet.
Ich glaube, wir unterschätzen oft, wie sehr wir uns selbst an unser eigenes Wachstum gewöhnen. Deshalb entsteht manchmal das Gefühl: „Ich komme gar nicht voran."
Dabei stehen wir längst an Orten, die wir uns früher nur gewünscht haben. Nicht alles ist erfüllt. Nicht jeder Traum hat sich verwirklicht. Aber wir selbst sind nicht mehr dieselben Menschen.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, sich ab und zu umzudrehen. Nicht aus Nostalgie, sondern um zu erkennen, wie weit der Weg bereits geworden ist.
*
In den letzten Tagen habe ich viel geruht. Ich dachte oft: Es passiert gerade nichts.
Und während ich das dachte, veröffentlichte ich einen Love Letter. Neue Menschen fanden meinen Weg. Mein Körper integrierte. Mein Geist sortierte. Mein Herz wurde ruhiger.
Von außen sah das aus wie Nichtstun. Von innen war es Wachstum.
Vielleicht ist genau das die leise Kunst des Lebens. Nicht jede Veränderung fühlt sich wie Veränderung an. Manche fühlt sich einfach irgendwann ganz selbstverständlich an.
Und genau dann ist sie wahrscheinlich wirklich in uns angekommen.
Ich lade uns daher ein, wenn der Gedanke auftaucht:
"Heute ist nichts passiert."
uns zu fragen:
"Was ist heute selbstverständlich geworden, das früher Mut gebraucht hätte?"
Mit Liebe und Dankbarkeit im Herzen,
Jeannette