Flugmodus und Landebahn

Liebe Mitreisenden,

die letzten Tage haben mich etwas gelehrt.

Viele Menschen verbinden den Sommer mit Energie. Mit Reisen. Mit Feierlichkeiten. Mit Begegnungen. Mit Lebendigkeit.

Und genau so soll sich Sommer anfühlen.

In den letzten Wochen habe ich mehr getanzt als in den letzten Monaten. Ich habe Forró und Baile Funk gelernt. Passinho entdeckt. Bin mit meiner Angst in den Kreis gesprungen und habe dort alleine getanzt, so wie das in der brasilianischen und auch anderen Tanzkulturen üblich ist. Bin in kühle Gewässer gehüpft. Habe neue Menschen kennengelernt. Neue Projekte empfangen. Und baue ein Spaceship.

Das Leben blüht.

Und gleichzeitig habe ich etwas anderes beobachtet: Je mehr das Leben erblüht, desto wichtiger wird tiefe Ruhe.

Nicht als Rückzug vom Leben. Sondern als Gegenpol. Oder vielleicht sogar als zweiter Pol desselben Stroms.

Deswegen gibt es jetzt meine ruhigen Sommerräume.

*

In den letzten Tagen wache ich oft kurz nach vier auf. Der Himmel ist rosa. Ich mache mir einen Kaffee. Rieche an den Bohnen. Beobachte Eichhörnchen auf der Dachrinne herumtanzen. Und tanze selber im ersten Morgenlicht.

Später drückt mein Körper manchmal auf Pause. Dann mache ich meine Reset-Praxis. Liege nach dem Savasana noch dreißig Minuten im Sound Bath. Oder schlafe mittags.

Früher hätte ich gedacht: Mit mir stimmt etwas nicht.

Heute weiß ich: Mein Organismus ist einfach dabei, mit der Fülle Schritt zu halten.

Denn der Sommer bringt nicht nur mehr Energie. Er bringt auch mehr Eindrücke. Mehr Licht. Mehr Geräusche. Mehr Begegnungen. Mehr Schönheit.

Und all das möchte verdaut werden.

Vielleicht braucht ein lebendiger Sommer deshalb nicht nur Sonne. Sondern auch Wurzeln. Nicht nur Ausdruck, sondern auch Stille. Nicht nur Flugmodus. Sondern auch Landebahnen.

*

Je länger ich mit Menschen arbeite, desto mehr erkenne ich: Wir sind unterschiedlich. In unterschiedlichen Lebensphasen.

Manche zieht es in die Ruhe. Ins Sound Bath. In eine Stunde, in der sie nichts tun müssen. Ein Duft. Ein Ritual.

Andere brauchen gerade Bewegung. Die Lernzone. Den Tanz. Den Sprung in die Mitte oder ins kalte Wasser.

Die Kunst besteht nicht darin, gleich zu werden. Sondern zu erkennen, was gerade gebraucht wird.

*

Vielleicht entstehen deshalb gerade so viele verschiedene Räume.

CREATE ist die Startbahn. Ein Raum für Fundament, Kapazität und Selbstführung.

FLUGMODUS ist der Himmel. Ein Raum für Visionen, Ausdruck und neue Möglichkeiten.

INTEGRATE ist die Landung. Der Ort, an dem Erfahrungen Bedeutung bekommen und ihren Platz im Alltag finden.

Und irgendwo dazwischen tanzen Merkén und das Spaceship durch den Sommer. Die eine mit den Füßen auf der Erde. Das andere mit Blick zu den Sternen.

Das Herz verbindet beides.

Vielleicht ist das die eigentliche Sommerkunst: Morgens tanzen. Mittags schlafen. Abends lachen. Und darauf vertrauen, dass das Leben weiß, wann es wachsen und wann es ruhen möchte.

Aus tiefer Ruhe und mit tanzendem Herzen,
Jeannette

Weiter
Weiter

Das Gefährt