Das Gefährt
Oder: Wie ich aufgehört habe, alles persönlich zu nehmen
Lange Zeit dachte ich, andere Menschen würden mir den Weg zeigen. Oder ihn versperren.
Wenn jemand Widerstand zeigte, fühlte ich mich angegriffen. Wenn jemand Verständnis zeigte, fühlte ich mich bestätigt. Mein Gefährt war ständig damit beschäftigt, die Bewegungen anderer Gefährte zu interpretieren.
Heute passiert etwas Neues. Ich sehe den Bergpfad. Ich sehe die Thermik. Und ich bleibe auf meinem Weg.
*
Peter geht direkt auf den Berg zu. Petra gewinnt Höhe in weiten Kreisen.
Und ich? Ich habe irgendwann aufgehört, andere Gefährte steuern zu wollen. Ich habe gelernt, meinem eigenen Kompass zu vertrauen. Meinem Herzen. Meinem Körper. Dem Gefühl für Timing.
Früher wollte ich jeden neuen Impuls sofort teilen. Heute frage ich meinen Körper: Ist es Zeit? Oder darf das noch reifen?
Ich habe gelernt, dass nicht jede Idee sofort die Welt treffen muss. Manche Samen wachsen erst im Dunkeln. Manche Abenteuer beginnen lange bevor jemand anderes davon erfährt.
*
Und manchmal besteht wahre Freiheit darin, andere Menschen ihren eigenen Weg zum Gipfel finden zu lassen. Nicht weil sie gegen mich sind. Sondern weil sie ihr eigenes Gefährt steuern.
Der Bergpfad. Die Thermik. Und mein Weg. Drei verschiedene Arten zu reisen. Drei verschiedene Arten, einem Abenteuer zu begegnen.
Und manchmal, viele Stunden später, stehen wir alle am selben Gipfel und schauen in dieselbe Weite.