Kleine Abenteuer

Was bedeutet Freiheit für dich?

Lange dachte ich, sie hätte etwas mit Möglichkeiten zu tun. Mit Reisen. Mit Geld. Mit Unabhängigkeit. Mit der Abwesenheit von Verpflichtungen.

Doch in den letzten Wochen hat das Leben mir etwas anderes gezeigt.

Freiheit ist vielleicht die Fähigkeit, die Wahrheit zu fühlen — und ihr trotzdem zu folgen. Auch wenn sie unbequem ist. Auch wenn sie traurig macht. Auch wenn sie bedeutet, dass man nicht mehr zurück kann.

In den letzten Tagen habe ich viel geweint. Weil ich verstanden habe, dass ich frühere Versionen von mir verabschiede. Frühere Freundschaften. Frühere Identitäten. Frühere Sehnsüchte.

Und während ich traurig war, geschah etwas Unerwartetes: Das Leben begann, mich aufzufangen.

Durch eine lange Umarmung. Durch einen freundlichen Kommentar. Durch einen Mann, der mein heruntergefallenes Geld aufhob. Durch positive Resonanz nach einer Yogastunde. Durch einen Anruf. Durch eine Tanzstunde. Durch einen Kaffee in der Sonne.

Durch das Netz der Verbindung, das immer da war.

Vielleicht ist das die größte Überraschung des Erwachsenwerdens: Wir müssen nicht alles alleine tragen. Und wir waren nie dafür gedacht.

Vor ein paar Tagen saß ich auf dem Jochberg. Mit schwerem Rucksack. Mit selbstgekochtem Essen. Mit Tränen in den Augen.

Und plötzlich wusste ich wieder, dass ich zuhause bin. Nicht weil ich irgendwo angekommen wäre. Sondern weil ich aufgehört habe, wegzulaufen.

Ein Eichhörnchen kreuzte meinen Weg. Ein Adler zog über den Himmel. Eine kleine Spinne spazierte über meinen Arm. Und überall schien das Leben zu sagen: Ja. Du bist hier. Du darfst bleiben.

Vielleicht ist Heimat gar kein Ort. Vielleicht ist Heimat die Fähigkeit, sich selbst mitzunehmen.

Später im Zug entdeckte ich neue Musik — und musste weinen, als ich Menschen aller Altersgruppen zusammen tanzen sah. Nicht aus Traurigkeit, sondern aus Erinnerung. Als würde etwas sehr Altes in mir wieder aufwachen. Etwas, das Gemeinschaft kennt. Rhythmus. Musik. Bewegung. Natur.

Vielleicht erinnern wir uns manchmal nicht an konkrete Orte, sondern an Qualitäten des Lebens. Und genau diese Qualitäten begegnen mir gerade überall.

In den Bergen. In München. Im Forró. Im Yoga. In einem Spaceship. In einem Matcha Latte. In einer Hollunderblüte. In einer Umarmung.

*

Vor kurzem war ich auf einer Forró-Party. Und plötzlich machte etwas Klick. Nicht nur im Tanz. Sondern in mir.

Zum ersten Mal verstand ich die Schritte. Zum ersten Mal konnte ich aufhören zu zählen. Zum ersten Mal konnte ich einfach tanzen.

Tanzen ist Kommunikation zwischen Körpern.

Vielleicht ist das überhaupt die große Erkenntnis dieses Jahres: Das Leben möchte nicht verstanden werden. Es möchte erlebt werden.

Ich habe einem fremden Menschen alles erzählt. Von Brasilien. Von meinen Büchern. Von meinen Räumen, die manchmal zu Portalen werden. Von Oshun. Von meinem Spaceship.

Und die Welt ging nicht unter. Im Gegenteil. Sie wurde größer.

Ich habe verstanden, dass ich mich immer weniger zensiere. Dass ich aufhöre, mich zu unterbrechen. Mich kleiner zu machen. Nur Teile von mir zu zeigen.

Und genau dadurch wird Verbindung möglich.

Vielleicht ist das Multidimensionalität. Nicht viele Rollen zu haben. Sondern sich selbst in vielen Welten wiederzufinden.

Chile. Deutschland. Brasilien. Berge. Yoga. Poesie. Business. Kunst. Gemeinschaft. Stille. Humor. Liebe. Trauer. Freude.

Alles gehört dazu. Alles darf gleichzeitig existieren.

Und dann wurde mir klar: Ich reise gar nicht mehr durch Welten. Ich nehme mich selbst mit.

Deshalb fühlt sich alles so friedlich an.

Vielleicht ist das das eigentliche Ankommen. Und von dort aus beginnt das Abenteuer erst richtig.

Mit Liebe und einem lockeren Tanzschritt,
Jeannette

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