Bedingungen
Liebe Mitreisenden,
in diesen Tagen ist etwas passiert, das mich zum Lächeln gebracht hat.
Zum ersten Mal habe ich Geld von meinem Geschäftskonto auf mein Privatkonto überwiesen. Keine große Summe. Eher eine Geste. Ein Symbol. Eine Einweihung.
Fast so, als würde ich meinem System sagen: Hier darf etwas fließen.
Ich saß da und musste lächeln. Nicht wegen des Geldes. Sondern wegen der Richtung. Vor einem Jahr war vieles noch Idee. Heute fließt etwas zurück — nicht aus Hoffnung, nicht aus Zukunft, sondern aus etwas, das bereits existiert.
Später dachte ich über Geld nach. Über Verteilung. Über Gerechtigkeit. Und plötzlich erinnerte ich mich an mein Studium.
Dort ging es oft um dieselbe Frage: Wie verteilen wir knappe Ressourcen möglichst gerecht?
Eine wichtige Frage. Und gleichzeitig bemerkte ich: Sie beginnt bereits mit einer Annahme. Es gibt nicht genug. Wie teilen wir auf? Wie stopfen wir die Löcher? Wie verwalten wir den Mangel?
In meinem Leben beschäftigt mich inzwischen eine andere Frage: Wie entstehen überhaupt die Bedingungen, unter denen etwas wachsen kann?
Wie entsteht Vertrauen? Wie entsteht Kreativität? Wie entsteht Verbindung? Wie entsteht ein Zuhause?
Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich Lagerfeuer so liebe.
Ein Lagerfeuer verteilt keine Wärme. Es erschafft die Bedingungen, unter denen Wärme entsteht. Menschen kommen dazu. Sie setzen sich in den Kreis. Sie erzählen Geschichten. Und plötzlich haben alle etwas davon — nicht weil jemand es verteilt hat, sondern weil etwas entstanden ist.
Wenn ich auf die letzten Monate und Jahre zurückblicke, sehe ich weniger die Ergebnisse. Ich sehe die Bedingungen.
Die Räume. Die Beziehungen. Den Rhythmus. Die Praxis. Die Spaziergänge. Die Berge. Die vielen kleinen Entscheidungen, die nicht spektakulär aussehen — und doch den Boden bereitet haben.
Vielleicht ist Sicherheit gar nicht das Gefühl, dass nichts schiefgehen kann.
Vielleicht ist Sicherheit das Vertrauen, dass man Bedingungen erschaffen kann, unter denen Leben gedeiht. Und dass man sich selbst dabei nicht verliert.
Mit Liebe,
Jeannette