Das Haus
Heute Morgen bin ich aufgewacht und etwas war anders.
Weder mein Leben. Noch meine To-do-Liste. Sondern etwas in mir.
Ein Satz kam zu mir: Das Haus steht.
Und plötzlich musste ich lächeln. Weil ich verstand, warum ich in den letzten Monaten so müde war. Warum ich manchmal auf meinem Sofa lag und scheinbar nichts tat. Warum mein Körper gestöhnt hat. Woher der Eisenmangel kam. Warum mein Haar dünner wurde. Warum ich immer wieder Pausen brauchte. Warum ich manchmal dachte, ich würde mich durch Beton bewegen.
Ich habe ein Haus gebaut.
Nicht aus Steinen.
Aus Entscheidungen. Aus Abschieden. Aus Mut. Aus tausenden kleinen Schritten. Aus Formularen. Aus Steuererklärungen. Aus Gründungszuschuss. Aus Unterlagen. Aus Webseiten. Aus Wörtern. Aus neuer Sprache. Aus Positionierungen. Aus digitalen Werkzeugen. Aus Notizbüchern voller Beobachtungen. Aus Bergen. Aus Tränen. Aus Liebe.
Noch am 13. Februar stand ich da und sagte laut: “Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich weiß nicht, wie ich irgendwann meinen Lebensunterhalt verdienen soll. Ich weiß nicht, ob das reicht.”
Damals fühlte es sich an, als würde ich vor den Trümmern meines Lebens stehen. Heute weiß ich: Ich stand auf einer Baustelle.
Damals konnte niemand sehen, was entstehen würde. Ich selbst auch nicht.
Ich hatte nur einen Ruf. Eine Richtung. Den nächsten Schritt. Mehr nicht.
Und jetzt, Anfang Juni, stehe ich in meinem Haus.
Es ist noch längst nicht vollendet. Einige Räume brauchen noch Farbe. Andere noch Möbel. Manche Türen stehen offen und warten darauf, entdeckt zu werden.
Aber alle Räume stehen. Alle.
Da ist der Raum von Dein Raum in dir. Da ist der Raum von Stille Räume. Da ist Gerufen. Da ist The Circle of the Cosmos. Da sind CREATE. INTEGRATE. Flugmodus. Der Spiegel. Grow With Your Flow. Der Übergangsraum. Die Love Letters. Die Berge. Die Reisen. Die Meditationen. Die Geschichten. Der Wochenrhythmus.
Und zum ersten Mal sind sie sichtbar. Nicht nur für mich. Für andere.
Menschen können eintreten. Sich umsehen. Bleiben. Oder weitergehen. Sie können eine Meinung haben.
Das ist in Ordnung. Denn das Haus existiert jetzt.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum ich mich umbenannt habe. Von Embodiment Guide zu Author & Space Creator.
Nicht weil ich jemand Neues geworden bin. Sondern weil ich endlich anerkenne, was ich die ganze Zeit getan habe.
Ich schreibe Räume. Ich erschaffe Räume. Ich bewohne Räume. Und manchmal werden sie zu Portalen. Und immer wieder habe ich dafür Schwellen überwunden.
Gestern betrachtete ich die Bilder meiner Bücher und meines Kartensets. Zum ersten Mal sah ich nicht einzelne Projekte. Ich sah mein Universum.
Und ich sah, dass all diese scheinbar unterschiedlichen Dinge dieselbe Geschichte erzählen. Die Geschichte vom Lauschen. Vom Ruf. Von der Wahrnehmung. Vom Mut. Vom Weg nach Hause.
Und plötzlich wurde mir klar: Ich muss nichts mehr zurückhalten.
Nicht mein Buch. Nicht meine Geschichte. Nicht meine Poesie. Nicht meine Räume. Nicht mein seltsames, buntes, vielschichtiges Wesen.
Heute werde ich keine Clarity-Praxis machen. Heute feiere ich.
Leise. Auf meine Weise. Mit Selbstliebe. Mit Ruhe. Mit Integration. Vielleicht mit einem Holunderspritz. Vielleicht mit einem Lächeln. Vielleicht mit Tränen.
Denn nach all den Monaten des Bauens beginnt etwas Neues. Nicht der nächste Marathon. Nicht das nächste Fundament.
Sondern das Bewohnen. Das Leben. Das Empfangen. Das Teilen. Das Einladen.
Das Haus steht.
Und zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr die Architektin sein muss.
Heute darf ich einfach die Bewohnerin sein.
Mit Liebe,
Jeannette