Einen Schritt voraus?
In den letzten Wochen waren meine Reset-Räume nach vorne gebeugt.
Das habe ich erst heute bemerkt. Nicht im Kopf. Im Körper.
Heute Morgen hatte ich keine Lust. Schlecht geschlafen. Die halbe Nacht wach gelegen. Morgens noch Texte überarbeitet, an meine neue Positionierung angepasst.
Author & Space Creator.
In der Wohnung war es unruhig. Mein Körper wollte einfach nur aufs Sofa.
Also begann die Praxis auf dem Sofa. Eine Decke. Ein Kissen. Die Hände auf dem Körper. Nichts Besonderes.
Und während ich dort lag, bemerkte ich: Die letzten Wochen waren fast immer nach vorne gebeugt. Kindshaltung. Vorbeugen. Zusammenrollen. Verdauen. Ankommen. Halten. Räume, in denen ich mich selbst gehalten habe.
Heute war da etwas anderes.
Rückbeugen. Brustraum. Unterstützte Schulterbrücke. Empfangen. Getragen werden.
Nicht nur körperlich. Sondern als Erfahrung.
Während ich in der Schulterbrücke lag, tauchte für einen Moment das Bild meiner Mutter auf. Nicht schmerzhaft. Eher Neugier. Fast so, als würde etwas in mir sagen: Interessant.
Später schickte mein Vater ein Foto von ihr. Was er sonst kaum tut.
Vielleicht Zufall. Vielleicht nicht. Ich weiß es nicht — und ehrlich gesagt spielt das keine große Rolle.
Viel interessanter war etwas anderes: Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich nicht das Gefühl, mich halten zu müssen. Ich konnte einfach liegen. Mein Gewicht abgeben. Mich tragen lassen.
In den letzten Jahren ging ein großer Teil meines Weges darum, mich selbst zu halten. Nach Brasilien zu gehen. Mich selbstständig zu machen. Bücher zu schreiben. Räume zu erschaffen. Grenzen zu setzen. Zu lernen, dass mein Weg sicher ist.
Vielleicht musste erst ein Fundament entstehen.
Aber heute tauchte eine neue Frage auf:
Was passiert, wenn ich mich nicht halten muss? Wenn ich Unterstützung nicht nur gebe, sondern auch empfange? Wenn ich mich nicht nur auf mich verlasse, sondern mich anlehne?
Nicht aus Bedürftigkeit. Sondern weil es möglich ist.
Weil der Körper weiß: Ich kann mich halten. Und deshalb darf ich mich auch halten lassen.
Vielleicht ist das eine neue Phase. Vielleicht auch nur ein einzelner Morgen. Ich weiß es noch nicht.
Aber ich finde die Frage schön. Und ich habe das Gefühl, mein Körper ist ihr schon einen Schritt voraus.
In Liebe,
Jeannette