Habitat

Liebe Mitreisenden,

früher dachte ich, ich müsste meinen ganzen Ausdruck in eine einzige Form bringen. In das Buch. Das Programm. Die Positionierung. Als müsste alles gleichzeitig alles erzählen.

Heute glaube ich etwas anderes.

Ein Wald besteht auch nicht aus einem einzigen Baum. Er besteht aus Lichtungen. Pfaden. Pilzen. Wurzeln. Moos. Und dem Leben dazwischen.

Vielleicht brauchen Ideen genau das. Nicht sofort eine Form. Sondern einen Ort.

Ich bilde kein Business. Ich kultiviere ein Beingness. Ein Habitat, in dem Gedanken, Begegnungen, Bücher, Tänze, Gespräche und Musik nebeneinander wachsen dürfen.

Manches wird ein Love Letter. Manches ein Buch. Manches ein Tanz. Manches bleibt erst einmal eine Notiz. Und manches braucht Jahre, bis es seine Form findet.

Früher wollte ich alles sofort verstehen. Heute pflanze ich leise Samen und warte geduldig was sich daraus entwickelt.

Ich habe Traumräume. Für Bücher. Für Musik. Für Kollaborationen. Für Ideen, die noch keinen Namen haben. Dort dürfen sie sich begegnen. Sich verändern. Sich gegenseitig beeinflussen. Ohne dass ich sie sofort realisieren muss.

Ich glaube, genau deshalb liebe ich das Wort Habitat. Es beschreibt keinen Plan. Sondern Bedingungen, unter denen Leben entstehen kann.

Ein Traumraum ist kein Ort, an dem Ideen sofort umgesetzt werden. Ein Traumraum ist ein Ort, an dem Ideen so lange leben dürfen, bis sie ihre eigene Form finden.

Vielleicht ist das auch der Unterschied zwischen Erschaffen und Kultivieren. Erschaffen möchte oft schnell sichtbar werden. Kultivieren vertraut darauf, dass Wachstum seine eigene Zeit kennt.

Nicht noch mehr bauen. Sondern bewohnen. Nicht noch mehr sammeln. Sondern wachsen lassen.

Ich glaube dieser Sommer wird der meines Ausdrucks. Der Sommer, in dem ich tanze. Schreibe. Spiele. Und beobachte, welche Formen ganz von selbst entstehen.

Mit Liebe und ein paar Samen in der Hand,
Jeannette

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