Ich arbeite im Marketing

Liebe Crew,

es gibt diese Frage, die fast immer kommt. „Und, was machen Sie beruflich?"

Früher habe ich versucht, ehrlich zu antworten. Ich sagte, dass ich Philosophie und Economics studiert habe. Oder dass ich Autorin bin. Oder Workshops gebe. Oder Coaching anbiete.

Je nach Situation begann danach ein kleines Verhör. „Was für Bücher?" „Kann man davon leben?" „Und was machst du eigentlich richtig?"

Irgendwann wurde mir klar: Die meisten Menschen wollen gar keine ausführliche Antwort. Sie möchten eine Schublade.

Also habe ich mir eine Standardantwort zurechtgelegt: „Ich arbeite im Marketing für eine Online-Plattform." Stimmt ja auch.

Interassanterweise endet das Gespräch dann meistens. Alle sind zufrieden. Niemand fragt weiter. Es ist herrlich.

Dabei muss ich jedes Mal ein bisschen schmunzeln. Denn ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal Freunde meines Liebsten kennenlernte. Ich beantwortete höflich die üblichen Fragen. Dann kam die Antwort: „Ach, das ist aber schade, dass du mit deinem Studium im Marketing arbeitest."

Ich musste damals schlucken. Heute würde ich lächeln.

Denn dieser Satz erzählt weniger über Marketing als über unsere Vorstellungen von Berufen. Als gäbe es Berufe, die wichtig sind. Und andere, die irgendwie zweite Wahl sind.

Dabei ist Marketing überall. Nicht nur in der Werbung. Sondern in der Sprache. In Geschichten. In Bildern. In politischen Kampagnen. In Büchern. In Museen. In der Frage, welche Geschichten erzählt werden. Und welche nie ein Mikrofon bekommen.

Wenn Marketing gut gemacht ist, merken wir es oft gar nicht. Es wirkt. Es verbindet. Es macht sichtbar. Oder unsichtbar.

Ich bin heute unglaublich dankbar für alles, was ich dort gelernt habe. Nicht, weil ich irgendwann Marketingexpertin werden wollte, sondern weil ich heute mein eigenes Universum aufbaue.

Ich weiß, wie Geschichten funktionieren. Wie Gestaltung Orientierung schafft. Wie man etwas erklärt, ohne es kleiner zu machen.

All das habe ich unter anderem durch meine Marketingjahre gelernt.

Überhaupt beobachte ich etwas. Wir machen Berufe oft kleiner, sobald wir sie nicht verstehen.

Marketing. Vertrieb. Pflege. Verwaltung. Hausarbeit. Kunst.

Jeder Beruf kennt diese Sätze. „Das könnte ich auch." „Ist doch nur…"

Und genau in diesem kleinen Wort — nur — verschwindet das Wissen eines ganzen Berufs.

Ich versuche deshalb etwas anderes. Wenn ich einem Menschen begegne, dessen Arbeit ich nicht kenne, frage ich: „Was fasziniert dich daran?" Oder: „Was sehen Menschen oft nicht an deiner Arbeit?"

Fast immer entsteht dann ein völlig neues Gespräch. Eines, das neugierig macht.

Denn hinter jeder Tätigkeit steckt ein Mensch. Mit Fähigkeiten. Mit Geschichten. Mit einer Perspektive auf die Welt.

Und manchmal verändert genau diese Neugier mehr als jede kluge Antwort.

Mit Liebe und Neugier,
Jeannette

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