Spiel ist eine Möglichkeit

Liebe Crew,

manchmal träumen wir, weil träumen Spaß macht. Für einen Moment ist alles möglich. Ein anderes Leben. Eine verrückte Idee. Eine Version von uns selbst, die mutiger oder wilder lebt.

Wir können uns darin bewegen, ohne etwas verändern zu müssen. Und danach kehren wir zurück. In den Alltag. In die Gewohnheiten. In das Leben, wie wir es kennen.

Die Möglichkeit war ein Spiel.

Ich glaube, irgendwann hat sich für mich etwas umgedreht.

Aus „Möglichkeit ist ein Spiel" wurde „Spiel ist eine Möglichkeit".

Was wäre, wenn ich einer Idee nicht nur folge, weil sie schön ist? Was wäre, wenn ich etwas ausprobiere, obwohl ich noch nicht weiß, wohin es führt? Was wäre, wenn das, was zunächst wie eine Spinnerei aussieht, eine Tür ist?

Dann wird aus Spiel plötzlich Ernst. Nicht ernst im Sinne von schwer. Sondern, dass ich meine Möglichkeiten ernst nehme.

Und genau da beginnt der anstrengende Teil.

Denn ein spielerisches Leben entsteht nicht dadurch, dass wir den ganzen Tag unbekümmert durch die Gegend hüpfen. Wer einer Möglichkeit folgt, muss irgendwann Entscheidungen treffen. Zeit freihalten. Etwas lernen. Nein sagen. Noch einmal anfangen. Sich zeigen, bevor man weiß, wie andere reagieren. Aushalten, dass Menschen nicht verstehen, was man da eigentlich macht.

Ich finde das paradox: Ein spielerisches Leben verlangt manchmal ziemlich viel Ernsthaftigkeit gegenüber dem eigenen Spiel.

Viele Dinge in meinem Leben begannen mit einem: Wie wäre es eigentlich, wenn…?

Ein Buch. Ein Kartenset. Ein Raum. Eine Reise. Eine Figur. Eine ganze Welt.

Am Anfang existierten sie nur als Möglichkeit. Ich hätte sie dort lassen können. Das wäre vollkommen in Ordnung gewesen.

Aber manche Ideen möchten im Leben ankommen und geben sich nicht damit zufrieden, wieder in die Möglichkeitsschublade gesteckt zu werden. Also begann ich zu spielen. Ich probierte aus. Verwarf. Bastelte. Schrieb. Tanzte. Forschte. Zweifelte. Fing wieder an.

Und irgendwann bemerkte ich: das Spiel hat mein Leben verändert.

Vielleicht ist das eine der größten Kräfte von Kreativität. Spiel ist nicht nur eine Pause von der Wirklichkeit. Spiel kann neue Wirklichkeiten hervorbringen.

Daher möchte ich diese Frage an dich weitergeben: Gibt es in deinem Leben etwas, womit du schon lange spielst? Eine Idee. Eine Sehnsucht. Etwas, wovon du gerne sagst: „Irgendwann würde ich gerne mal…"

Möchtest du einfach gerne davon träumen? Dann träume weiter. Nicht jeder Traum muss sofort ein Projekt werden. Nicht jede Möglichkeit möchte verwirklicht werden.

Aber vielleicht gibt es eine, bei der etwas anderes passiert. Vielleicht merkst du: „Oh. Das meine ich ernst."

Dann brauchst du noch nicht zu wissen, wie du das umsetzt. Vielleicht reicht ein kleiner Schritt aus der Vorstellung hinein ins Leben.

Eine Nachricht. Eine Anmeldung. Ein erster Entwurf. Ein Versuch.

Und vielleicht schaust du irgendwann zurück auf etwas, das einmal nur eine spielerische Idee war, und kannst sagen: „I did it."

Weil du der Möglichkeit endlich erlaubt hast Wirklichkeit zu werden.

Mit Liebe und einem Spielplan,
Jeannette

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